DBU trauert um Gorbatschow

Blog-Beitrag zum Deutschen Umweltpreis

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) trauert um den russischen Friedensnobelpreisträger und letzten Staatspräsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Er starb Dienstagabend, 30. August 2022 im Alter von 91 Jahren. 2010 hatte ihn die DBU mit ihrem Ehrenpreis ausgezeichnet.

„Zeit seines Lebens hat Michail Gorbatschow sich sein herausragendes Engagement für mehr Menschlichkeit und Umweltschutz bewahrt. Dafür ist er damals von der DBU ausgezeichnet worden“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Entscheidender Wegbereiter fĂĽr die deutsche Einheit

Gorbatschow, den die Deutschen gerne „Gorbi“ nannten, war einer der entscheidenden Wegbereiter für die deutsche Einheit – und für eine friedlichere Welt, die aktuell unter anderem durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wieder ins Wanken geraten ist.

Neben seiner politischen Weitsicht mit Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) bewies Gorbatschow ein Gespür für die Bedeutung des Umweltschutzes. Bonde: „Dafür hat er sich mit großem Einsatz immer wieder stark gemacht. Beste Beispiele sind seine Schirmherrschaft für das „Grüne Band“ und die Nachhaltigkeitsprojekte seiner Gorbatschow-Stiftung.“

Gründer der Organisation „Green Cross International“

Das „Grüne Band“ bezeichnet die Naturflächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Bonde: „Das Engagement für Umweltschutz hat Gorbatschow auch als vorsorgenden Friedensschutz verstanden.“ Als Gründer und Vorsitzender der Organisation „Green Cross International“ habe Gorbatschow sich darüber hinaus schon seinerzeit für Ressourcenschonung, Energieeffizienz und Umweltbildung eingesetzt. „Das zeugt von unglaublicher umwelt- und klimapolitischer Weitsicht. Die Themen sind heute aktueller denn je“, so DBU-Generalsekretär Bonde.

GlĂĽcksfall fĂĽr die deutsche Geschichte

Gorbatschow war bis Ende 1991 der letzte Staatspräsident der Sowjetunion, bevor das Riesenreich in seine 15 Mitgliedstaaten zerfiel und schließlich Boris Jelzin sein Nachfolger wurde. Im Ausland hochgeschätzt, traf Gorbatschow im eigenen Land zuletzt auf breite Ablehnung. Seine Landsleute nahmen ihm übel, dass er den Zerfall des Sowjetreichs eingeleitet hatte. Im Westen dagegen bleibt sein Name auf immer verbunden mit dem Durchbruch für mehr Freiheit und Demokratie in Osteuropa – allen voran dem Mauerfall zwischen DDR und Bundesrepublik und schließlich die möglich gewordene deutsche Einheit. Bonde: „Gorbatschow war ein Glücksfall für die deutsche Geschichte.“

Text: Klaus Jongebloed, Titelbild: © Gorbatschow-Stiftung