Machbarkeitsstudie fĂĽr ein UNESCO-Biosphärenreservat – Desa’a Forest

Projekt aus der internationalen Förderung

Gegenstand und Ziele des Projektes

Äthiopien gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde und steht vor großen sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen. Ein rasantes demografisches sowie auch wirtschaftliches Wachstum generiert äußerst dynamische sozioökonomische Transformationsprozesse, die zu massiven Übernutzungen der natürlichen Ressourcen und nicht nachhaltigen Landnutzungsstrategien führen. Der Desa'a Forest ist einer der flächenmäßig größten verbliebenen Waldbestände in der Trockenwaldzone Nord-Äthiopiens. Als Biodiversitäts-Hotspot mit signifikanter Funktion für den Landschaftswasserhaushalt sichert er die Subsistenzgrundlage von mehr als 250 000 Menschen in 34 umliegenden Gemeinden. Durch illegalen Holzeinschlag und Expansion von landwirtschaftlichen Nutzflächen wurde die Waldfläche des Desa'a Forest in den letzten Jahrzehnten um etwa 40 Prozent reduziert. Um weitere Degradierung und Waldvernichtung zu vermeiden, erscheint eine Umsetzung nachhaltiger Land- und Waldmanagementstrategien unter Einbindung der lokalen Bevölkerung dringend geboten, wie sie insbesondere im Rahmen von UNESCO-Biosphärenreservaten angestrebt wird. Ziel des geplanten Vorhabens ist daher die Konzeption für die Etablierung eines solchen Biosphärenreservats in Kooperation mit der Regionalregierung des Bundesstaates Tigray. Dabei gliedert sich das Gesamtvorhaben in forschungsorientierte und anwendungsbezogene Projektmodule. Die geplanten wissenschaftlichen Untersuchungen als Grundlage für eine erfolgreiche Konzeption des Biosphärenreservats erfolgen auf Basis der theoretisch-konzeptionellen Perspektive der politischen Ökologie und widmen sich folgenden forschungsleitenden Fragen:

 

Innovation und Modellhaftigkeit des Projektes

Ausgehend von den geplanten Untersuchungen soll ein praxistauglicher und auf andere Zielregionen übertragbarer Ansatz für ein partizipatives Waldmanagement entwickelt werden. Ganz konkret sollen die Ergebnisse im anwendungsbezogenen Segment des geplanten Vorhabens umgesetzt werden. Dabei werden folgende Teilziele verfolgt:

  1. Erarbeitung des Entwurfs eines Nominierungsantrags für das UNESCO-Biosphärenreservat in Zusammenarbeit mit den oben genannten Partnern.
  2. Aufbau eines Kompetenznetzwerks zur Vermittlung und zum Austausch internationalen Wissens zur Ausweisung und Etablierung von Biosphärenreservaten unter Einbindung lokaler, regionaler und nationaler Akteure im Kontext eines partizipativen Waldmanagements.
  3. Aufbau eines „Green Church Programms“ zur Stärkung von Umweltbewusstsein unter der lokalen Bevölkerung durch die Einbindung der lokalen religiösen Institutionen.
  4. Erste Implementierungsschritte des erarbeiteten Konzepts zur Etablierung einer nachhaltigen Landnutzung in der Region zum Erhalt der Biodiversität und der verbliebenen Trockenwaldökosysteme sowie zur Sicherung von Wasserressourcen.

 

Besondere Aspekte des Projektes

Die DBU hat bereits einige Vorhaben in Deutschland sowie im internationalen Raum gefördert, mit denen eine Grundlage für die Errichtung von Biosphärenreservaten geschaffen werden sollte. In einigen Fällen wurden entsprechende Schutzgebietskonzepte umgesetzt, andere waren weniger erfolgreich und scheiterten unter anderem daran, dass es „Top down“ nicht möglich war, die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung zu erlangen. Dies gelang nur in Staaten, die auf mehr oder weniger totalitären Systemen beruhen. Die Ausgangslage in Äthiopien ist hingegen eine andere. Dies liegt darin begründet, dass in Äthiopien bereits Projekte zum Biodiversitätsschutz durchgeführt wurden, was natürlich daran liegt, dass es sich um einen der wichtigsten Biodiverstäts-Hotspots handelt. Zudem gibt es einen erheblichen Handlungsdruck durch die rasante demografische Entwicklung in Äthiopien, die sich auch negativ auf die Ökosysteme auswirkt, die Lebensgrundlagen der Menschen bedroht (Verlust wichtiger Ökosystemleistungen) und auch Wohlfahrt und Wertschöpfung gefährdet (z. B. Industrialisierung der Landwirtschaft, Verlust an Arbeitsplätzen). Insofern ist es unabdingbar, Schutzkonzepte zu entwickeln, welche die Menschen vor Ort mitnehmen und zwar nicht nur mittel- oder langfristig, sondern auch so zeitnah wie möglich. Hieraus entwickelt sich eine im Vergleich zu anderen Weltregionen außergewöhnlich hohe Dynamik. Im Vorhaben kommen innovative Methoden zum Einsatz, die eine neue Qualität der Konzeption für ein Schutzgebiet erwarten lassen, die auch nachvollziehbare Komponenten für nachhaltige Regionalentwicklung umfassen wird. Das Projekt ist vor Ort vorbildlich verankert, auch eine Fortführung des Vorhabens im Sinne der Etablierung eines Biosphärenreservats wird bereits in der Machbarkeitsstudie avisiert.

 

Förderthema: FT 11: Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung in Nutzlandschaften und Schutzgebieten

Antragsteller:

Assoziierter Partner:

Wirkungsort: Äthiopien

Förderzeitraum: Januar 2020 bis September 2022

Projektkosten: Gesamtvolumen: 123 981 Euro, Förderung durch DBU: 123 981 Euro

DBU-AZ: 35183


Stand: 20.05.2022

AZ 35183 UNESCO-Biosphärenreservat