Gezielter Schutz fĂŒr gefĂ€hrdete Wiesenvögel

Im norddeutschen Tiefland ist seit vielen Jahrzehnten ein steter RĂŒckgang der typischen Wiesenvogelarten Kiebitz und Uferschnepfe zu verzeichnen.

Langjährige Untersuchungen bestätigen, dass der Fortpflanzungserfolg beider Arten nicht mehr ausreicht, um bestehende Populationen zu erhalten. Ein Beispiel aus Niedersachsen zeigt, wie Wiesenvogelschutz optimiert werden kann. In der Stollhammer Wisch, einem rund 3.400 Hektar großen, zusammenhängenden Grünlandgebiet, haben Wissenschaftler der Hochschule Vechta in vier unterschiedlich bewirtschafteten Grünländern mögliche Ursachen für Gelege- und Kükenverluste untersucht – insbesondere die Einflussgrößen Landwirtschaft und die Prädation. Im Vordergrund stand die Frage, ob Brutund Aufzuchterfolge beider Arten noch ausreichen, um deren Bestand in diesem Gebiet langfristig zu sichern.

»Big-Brother« am Kiebitzgelege
Den Reproduktionserfolg erfassten die Forscher mit Hilfe eines ausgeklügelten Monitoring-Systems. Die Analysen reichten von Nestkontrollen über Videoaufnahmen zur Aufklärung nächtlicher Gelegeverluste bis hin zur Telemetrie, bei der die Küken mit leichten, kleinen Sendern ausgestattet wurden. Auf Basis der Ergebnisse entwickelten die Ornithologen zukunftsfähige Managementmaßnahmen zum Schutz der Wiesenvogelpopulationen in den Feuchtgebieten Norddeutschlands.

Gräben – vermeidbare Todesfallen
Bei der regelmäßigen Räumung von Entwässerungsgräben sollte beispielsweise das Fräsen steiler Grabenprofile unbedingt vermieden werden. Fällt ein Küken in einen derart gestalteten Graben, gibt es kaum ein Entrinnen und der Jungvogel ertrinkt.
Späte Mahdtermine helfen zusätzlich Kükenverluste zu reduzieren. Es wird empfohlen die Flächen von innen nach außen zu mähen, damit die Küken in umliegende nicht bewirtschaftete Flächen ausweichen können.

Höhere Reproduktionsraten notwendig
Damit die Küken in konventionell bewirtschafteten Grünlandflächen Deckung und Nahrung finden können, sind Fluchtstreifen entlang von Gräben und Flurstücksgrenzen unerlässlich. Auch der wachsende Rotfuchsbestand gefährdet die Bestände von Kiebitz und Uferschnepfe in der Stollhammer Wisch. Die Reduzierung der Fuchspopulation über die Jagd führte zwar zu keiner dauerhaften Bestandsabsenkung, konnte aber während der Brutzeit zu höheren Schlupf- und Reproduktionsraten bei beiden untersuchten Wiesenlimikolen beitragen.
Das Projekt wird intensiv durch die zuständigen Naturschutzbehörden, Wissenschaftler, Landwirte und vor Ort tätige Naturschutzverbände begleitet. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass mit allen relevanten Akteuren eine gemeinsame Lösung für die wiesenvogelgerechte Bewirtschaftung der Stollhammer Wisch gefunden wird.


Projektthema
Nachhaltige Sicherung der Biodiversität in bewirtschafteten Grünlandgebieten Norddeutschlands am Beispiel der Wiesenvögel in der Stollhammer Wisch

Projektdurchführung
Hochschule Vechta
Institut für Didaktik der Naturwissenschaften, der Mathematik und des Sachunterrichts
Prof. Dr. Rainer Ehrsberger
Prof. Dr. Heinz Düttmann
Postfach 15 53
49364 Vechta
Telefon 04441|15 493
rainer.ehrsberger@uni-vechta.de heinz.duettmann@biologie.uni-osnabrueck.de
www.dbu.de/1194.html

Der Biologe Sven Junker beim Befestigen eines Minisenders auf einem UferschnepfenkĂŒken.