Gemeinsam für bessere Gewässerqualität

„Wasser-verbindet“ ist der Name und das Motto des Verbundprojekts der HEW HofEnergie+Wasser GmbH, der Stadt Weißenstadt im Fichtelgebirge, der GeoTeam GmbH sowie dem Bayreuther Institut für Terrestrische Ökosystemforschung (BITÖK). Projektziel war die Verringerung diffuser Nährstoffeinträge in Gewässer zur Sicherung der Trink- und Badewasserqualität im Weißenstädter Becken

Flusseinzugsgebiet von 32 km²
Das Projektgebiet umfasst das Flusseinzugsgebiet der Eger von der Quelle bis Weißenstadt mit dem knapp 50 ha großen Weißenstädter See und hat eine Größe von 32 km². Es wird zu zwei Drittel forstlich und zu einem Drittel landwirtschaftlich genutzt. In 190 Teichen werden Karpfen und Forellen gehalten. Wie auch in anderen strukturschwachen Mittelgebirgsregionen stehen heute Nutzungsansprüche von Land-, Forst- und Teichwirtschaft den Anforderungen von Trinkwassergewinnung, Naturschutz und Fremdenverkehr auf engstem Raum gegenüber.

Phosphoraustrag durch Bodenversauerung
Das Messprogramm zur Klärung der Nährstoffeintragspfade in die Gewässer brachte teils überraschende Ergebnisse. So tragen Fischteiche und Drainagen kaum zur Phosphorbelastung des Sees bei. Auch die Bodenerosion von Ackerflächen unter mittleren klimatischen Bedingungen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Dagegen wurden vor allem auf wechselfeuchten Standorten unerwartet hohe Phosphorausträge unter Wald nachgewiesen, die unter anderem auf die starke Bodenversauerung zurückzuführen sind.

Hälfte der Phosphorfracht durch Hochwasser
Die Hälfte der Gesamt-Phosphorfracht im Jahr 2002 gelangte während weniger Hochwasserereignisse in den See, da eine Überschwemmung der Auenbereiche wegen der Eintiefung begradigter Gewässerläufe kaum noch stattfindet. Diesem Problem wurde und wird einerseits durch die Renaturierung der Seezuläufe in Kombination mit Sedimentfallen, andererseits durch den Umbau der Fichtenforste in standortgerechte Mischwälder begegnet.

Online sind unter "www.bayceer.uni‑bayreuth.de/wasser‑verbindet" interaktive Anwendungen für Landnutzer wie Teich- und Landwirte sowie Sachbearbeiter verfügbar.
Verringerung der Bodenerosion und Nitratauswaschung
Durch eine prämienunterstützte Optimierung der Ackerbewirtschaftung konnte die Bodenerosion und die Nitratauswaschung im Projektverlauf verringert werden. Im Herbst 2003 waren über 60 % der Ackerflächen begrünt, während dieser Anteil 1999 bei nur 30 % lag. Der Nitratgehalt im Rohmischwasser der HEW HofEnergie+Wasser GmbH verringerte sich inzwischen wieder auf unter 20 mg/l.
Zur Unterstützung der Agrar- und Fischereifachberatung wurden einfache Modelle zur Prognose des Effekts von Nutzungsänderungen auf die Gewässergüte entwickelt. Im Internet stehen unter www.wasser-verbindet.de inzwischen mehrere interaktive Anwendungen für die beteiligten Akteure zur Verfügung.

Hilfe für Teichwirte
Der Teich-Test im Modul Fischerei & Wasserwirtschaft richtet sich in erster Linie an Neben- und Zuerwerbsteichwirte, die gewässerschonend wirtschaften möchten, ohne dabei den Fischertrag aus den Augen zu verlieren. Nach Eingabe verschiedener Parameter wie Zuflussmenge, Teichgröße und maximaler Wassertemperatur im Sommer werden Empfehlungen für den Besatz mit Karpfen oder Forellen und die Fütterung gegeben.

Minimierung des Nitrateintrags
Mit dem Acker-Test kann der Einfluss von Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und Düngung auf den Nitrataustrag im Winterhalbjahr flächenbezogen ermittelt werden. Berücksichtigt werden Umbruchs- und Drainageeffekte. Durch Änderung der vorgegebenen Basisdaten und Maßnahmen wie beispielsweise einem Zwischenfruchtanbau kann der Landwirt die Nitratverluste und damit den Eintrag ins Grundwasser minimieren.

Unerwartet hohe Phosphorausträge wurden vor allem auf wechselfeuchten Waldstandorten nachgewiesen, die unter anderem auf starke Bodenversauerung zurückzuführen sind. Damit kann der Wald seine wichtige Funktion als Reinwassergebiet teilweise verlieren.

Online-Prognose für Wassereinzugsgebiete
LandPrognos liefert die Möglichkeit, für Wassereinzugsgebiete den Effekt von Landnutzungsänderungen auf den Nitratgehalt des Grundwassers online zu berechnen. Für das Weißenstädter Becken wurden mögliche Entwicklungen der Landwirtschaft, beispielsweise die Intensivierung der Milchviehhaltung, die Umstellung auf Schweinehaltung, die bessere Nutzung der Prämienangebote sowie der Einfluss der Forstnutzung und des Klimawandels - simuliert und in ihrer Auswirkung auf den Nitratgehalt des Trinkwassers bis 2050 grafisch dargestellt.

Internationale Kooperation für den Eger-Stausee
Der WasserAgent ermöglicht je nach Zielgruppe in einem geschützten Bereich Zugriff auf geografische Informationen zu Nutzflächen, Messstellen und Brunnen.
Mit „Wasser-verbindet" gelang es, die im Projektgebiet ablaufenden komplexen Prozesse allgemeinverständlich darzustellen und praktikable Abhilfemaßnahmen zu erarbeiten. Die Anwendung der im Weißenstädter Becken entwickelten Instrumente und gewonnenen Erfahrungen sind für den gesamten Landkreis Wunsiedel vorgesehen. In Rahmen einer bayerisch-tschechische Kooperation sollen die in den Eger-Stausee (Údolní nádrĹľ skaĬka) gelangenden Nährstofffrachten weiter reduziert werden.

Kurzinfo:

Projektziel Nachhaltige Landnutzung im Weißenstädter Becken - Einführung eines integrierten Einzugsgebietsmanagements zum Schutz des Grundwassers und der oberirdischen Gewässer
Stand des Projekts Abgeschlossen
Aktenzeichen 17681
Projektträger

Universität Bayreuth
BITÖK Bayreuther Institut für terrestrische Ökosystemforschung
Universitätsstraße 30
95447 Bayreuth

Ansprechpartner Universität Bayreuth:
Prof. Dr. Bernd Huwe
Telefon (0921) 55-22 95
Fax (0921) 55-22 46
Email

bernd.huwe@uni-bayreuth.de

Internet www.bayceer.uni‑bayreuth.de/wasser‑verbindet
Mit dem AckerTest können Landwirte den Einfluss von Bodenbearbeitung, Düngung und Fruchtfolge auf die Stickstoffverluste flächenbezogen nachvollziehen. Bei den Berechnungen werden zudem Umbruchs- und Drainageeffekte berücksichtigt.

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