Die HutewĂ€lder RumĂ€niens in Transsylvanien: Ökologie, landbauliche Perspektiven und nachhaltige Einbindung in die Kulturlandschaftsentwicklung

Projekt aus der internationalen Förderung

Gegenstand und Ziele des Projektes

In Rumänien finden sich noch heute europaweit bedeutsame Waldweide-Systeme (Hute- oder Hudewälder), die aus einer extensiven Bewirtschaftungsform von Wäldern resultieren und zu den hoch biodiversen Kulturlandschaften zählen. Sie erfüllen eine Vielzahl von Ökosystemleistungen u. a. in den Bereichen Biodiversitätsschutz, Gewässerschutz (Versickerungs- und Verdunstungsgebiete), Landwirtschaft (extensive Tierhaltung mit klimaschonender Fleischproduktion) sowie Erholung und Tourismus. Diese herausragenden Lebensräume werden bislang zerstört, weil die europäische und rumänische Landwirtschaftspolitik diese Ökosysteme nicht ausreichend wahrnimmt, zumal hier auch keine oder kaum Prämien aus der I. Säule der GAP aktiviert werden können und somit ein Landnutzungswandel durch falsche Anreizsysteme ausgelöst wird.

Das übergeordnete Ziel dieses Projektes ist eine umfassende Bestandsaufnahme der rumänischen Waldweiden in Transsilvanien mit seinen Good-Practice-Beispielen und die Ableitung von Empfehlungen für das Management dieser Ökosysteme unter Berücksichtigung von Naturschutzaspekten auf dieser Basis. Im Mittelpunkt aller Projektmaßnahmen steht ein nachhaltiges Management der rumänischen Waldweiden und deren Verankerung als fester Bestandteil in der ländlichen Regionalentwicklung vor allem mit Blick auf die Bioökonomie der landwirtschaftlichen Betriebe.

Das Projekt hat drei Zielgruppen: Landwirtinnen und Landwirte (auf einzelbetrieblicher Ebene), Naturschützerinnen und Naturschützer sowie lokale öffentliche Verwaltungen wie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in den beiden Pilotregionen. Auch die Jägerinnen und Jäger, Landbesitzerinnen und Landbesitzer sowie lokale Aktionsgruppen (Entwicklung des regionalen Tourismus) werden über das Projekt informiert und können sich bei Interesse beteiligen.

Folgende Arbeitspakete werden in dem Vorhaben umgesetzt:

 

Innovation und Modellhaftigkeit des Projektes

Hutewälder sind in Jahrhunderten gewachsene hochdiverse Kulturlandschaften, die in Zeiten des Klimawandels und notwendiger Anpassungsstrategien von herausragender Bedeutung sind. Erstmalig wird in Transsilvanien, wo eine vergleichsweise hohe Anzahl an Hutewald-Systemen in gutem Zustand (noch) vorhanden ist, eine Verknüpfung verschiedener Themen und die Erarbeitung von Handlungswissen aus den Disziplinen Ökologie, Land- und Forstwirtschaft, Regionalökonomie und angewandtes Stoffstrommanagement hergestellt. Die Innovation liegt in der Weiterentwicklung von Bewirtschaftungsweisen bzw. Managementformen sowie in der Identifizierung von durch Hutewälder bereitgestellten Ökosystemleistungen und deren agrar- und umweltpolitische wie ökonomische Inwertsetzung.

Durch die Vernetzung der beteiligten Akteursgruppen und das Capacity Building im Rahmen unterschiedlicher Formate soll Handlungswissen aufgebaut und sukzessive verbreitet werden, wodurch eine Skalierung der Projekterkenntnisse in der Praxis erreicht werden kann.

 

Besondere Aspekte des Projektes

Die Waldweiden Rumäniens sind für den Erhalt der Biodiversität in einem europäischen Maßstab von herausragender Bedeutung. Zeitgleich sind diese Agroforstsysteme von der Auslöschung bedroht. Das Vorhaben kann vor diesem Hintergrund wertvolle Beiträge zur Sicherung des Wissens über diese Ökosysteme, zu einem biodiversitätsfreundlichen Management, zu neuen Wertschöpfungskonzepten und zu deren perspektivischem Schutz leisten. Die Kooperation mit etablierten Netzwerken in Wissenschaft und Praxis vor Ort sowie die avisierten Ergebnisse und Produkte im Bereich Kommunikation und Bildung erlauben eine nachhaltige Verbreitung des generierten Wissens. Die Projektaktivitäten haben das Potenzial, Aktive aus Wissenschaft, Politik und Agrar-/Naturschutz-Verwaltung für diese Thematik zu sensibilisieren und neue Wege im Management der Agroforstsysteme Transsilvaniens zu eröffnen.

Im Rahmen des Projekts entstand die Publikation “The traditional ecological knowledge conundrum”, welche in „Trends in Ecology & Evolution“ (Section Science & Society, Series: Local and Indigenous ecological knowledge) veröffentlicht wurde. Verfasst wurde der Artikel von Tibor Hartel, Joern Fischer, Girma Shumi und William Apollinaire.

 

Förderthema: FT 11: Naturschutz und nachhaltige Naturnutzung in Nutzlandschaften und Schutzgebieten

Kooperationspartner:

Wirkungsort: Siebenbürgen / Rumänien

Förderzeitraum: Januar 2022 bis Dezember 2023

Projektkosten: Gesamtvolumen: 124 997 Euro, Förderung durch DBU: 124 997 Euro

DBU-AZ: 37480


Stand: 24.01.2023

AZ 37480 HutewÀlder RumÀnien