Baubotanik – Botanische Grundlagen fĂĽr den architektonischen Entwurf

Baubotanik – eine Teildisziplin der Bionik – lässt Pflanzen als lebende Konstruktionselemente mit technischen Bauteilen zu einer pflanzlich-technischen Verbundstruktur verwachsen (Promotions-Stipendium)

Die Baubotanik knüpft an vielfältige Traditionen pflanzlicher Architektur an, bei der lebende Bauten durch das Schneiden, Formen und Verbinden von Trieben bzw. Wurzeln gebildet werden. Historische und aktuelle Beispiele sind hier mittelalterliche Tanzlinden und die lebenden Brücken der Khasi in Ostindien.

Für erfolgreiche und langzeitstabile baubotanische Bauwerke müssen die pflanzlichen Wachstumseigenschaften bei Konstruktion und Entwurf berücksichtigt werden. Bislang werden jedoch die Möglichkeiten und Grenzen pflanzlichen Wachstums häufig falsch eingeschätzt. In der DBU-geförderten Dissertation von Prof. Dr.-Ing. Ferdinand Ludwig gelang es an der Universität Stuttgart, einige wichtige Kenntnislücken zu schließen. Biomechanische bzw. pflanzenphysiologische Erkenntnisse und gartenbauliche Techniken wurden so angewendet, dass baubotanische Bauten in der Dimension ausgewachsener Bäume realisieren werden konnten.

Zunächst wurde in Anzuchtversuchen und biomechanischen Experimenten untersucht, wie Pflanzen für die baubotanische Verwendung produziert, und wie deren biomechanische und morphologische Eigenschaften beeinflusst werden können. Parallel wurden anhand von Verwachsungsversuchen sowohl für baubotanische Zwecke geeignete Verbindungstechniken entwickelt als auch unterschiedliche Baumarten bezüglich ihrer Verwachsungseigenschaften untersucht.

Des Weiteren wurden auf botanischen Wachstumsregeln basierende Entwurfsmethoden erarbeitet. Diese gewährleisten, dass die künstlich gebildeten Pflanzenstrukturen langfristig (über)lebensfähig sind und die beabsichtigte Zielsetzung des Bauwerks mit der tatsächlich eintretenden Entwicklung übereinstimmt. Als prototypisches Bauwerk wurde ein baubotanischer Turm erfolgreich realisiert. Aus einer Vielzahl junger Silberweiden wurde durch Verwachsungen ein einziger pflanzlicher Organismus gebildet und somit die prinzipielle Machbarkeit der Pflanzenaddition demonstriert.

In 2017 wurde Prof. Dr.-Ing. Ferdinand Ludwig gemeinsam mit Daniel Schöle mit dem Bundespreis Ecodesign in der Kategorie Konzept ausgezeichnet, da diese lebenden Bauwerke einen positiven Beitrag zum Stadtklima und zur Aufenthaltsqualität leisten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ferdinandludwig.de, http://www.ar.tum.de/gtla/forschung/baubotanik/, in unserer Datenbank und in unserer Bibliothek.

AZ 20006/842

Interesse an einem DBU-Stipendium? www.dbu.de/stipendien!

Baubotanischer Turm aus Silberweiden
Prof. Dr.-Ing. Ferdinand Ludwig erhält den Bundespreis Ecodesign