DBU aktuell – Umweltbildung III/2020

Themen in dieser Ausgabe: Zirkuläres Wirtschaften im "Haus der Materialisierung" – Zusatzqualifikation in puncto Nachhaltigkeit für Azubis im Bäckerei- und Konditorenhandwerk – Umwelt und Kulturgüter: Vorstellung des DBU-Förderthemas – Stadtparks als Knotenpunkte der Klimabildung in der Ukraine – Terminhinweis: Talk mit Luisa Neubauer und DBU-Chef Alexander Bonde

Einleitung

Liebe Leserinnen und Leser,

in unserem aktuellen Bildungsnewsletter widmen wir uns dem Thema der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft und stellen das "Haus der Materialisierung" in Berlin vor. Wir schauen auf das Bäcker- und Konditorenhandwerk, das vor großen Herausforderungen steht und gehen der Frage nach, was „Bewahrung und Sicherung national wertvoller Kulturgüter vor schädlichen Umwelteinflüssen“ bedeutet. Außerdem geht es um die Forschungsarbeit der DBU-Stipendiatin Olha Lavryk über Stadtparks als Knotenpunkte der Klimabildung in der Ukraine.

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Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihr DBU-Team

Kompetenzaufbau und Umweltkommunikation im „Haus der Materialisierung“ in Berlin

Geleitet von Ideen einer zirkulären und ressourcenschonenden Wirtschaft, hat sich eine Gruppe aus Initiativen zusammengeschlossen, um das erste multidisziplinäre urbane Zentrum für zirkuläres Wirtschaften in Berlin zu gründen: das Haus der Materialisierung (HdM). Im September ist es offiziell eröffnet worden. Das Haus der Materialisierung entsteht im Zuge der Pioniernutzungen im Haus der Statistik, einem städtebaulichen Modellprojekt im Herzen Berlins nahe des Alexanderplatzes, das von fünf Kooperationspartnern (Koop5) aus Zivilgesellschaft und Verwaltung entwickelt wird.

Ein einmaliges Reallabor

Über einen Zeitraum von drei Jahren werden neue Strukturen der Verortung, Vernetzung und Kommunikation für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Kontext innovativer Stadtentwicklung erforscht, erprobt und dokumentiert. „Die aktuellen Aktivitäten im Haus der Materialisierung bieten ein einmaliges Reallabor mit hoher Symbolkraft und starken Modelcharakter“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Vera Susanne Rotter von der Technischen Universität Berlin. Das DBU-geförderte dreijährige Forschungsprojekt „Reallabor Zirkuläres Wirtschaften im urbanen Kontext: Umweltkommunikation im Haus der Materialisierung", begleitet die Suche nach Wegen in Richtung einer alternativen Materialwirtschaft.

Upcycling- Workshops, Verleih- und Repair-Initiativen

An der Umsetzung des Verbundprojektes sind neben der Technischen Universität Berlin, Fachgebiet Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnologie auch die Entwicklungsgenossenschaft ZKB ZUsammenKUNFT Berlin eG – Genossenschaft für Stadtentwicklung, die „Material Mafia“ und der Verein „Circular City – Zirkuläre Stadt“ beteiligt. Die Gruppe der beteiligen Initiativen und Personen wuchs bereits seit Aufnahme der Tätigkeit auf 24 Organisationen und 42 Personen an. Konkret geht es beim HdM um Materialkreisläufe für Rest- und Gebrauchtwaren und Lebensmittel sowie um Ideen, die verbreitet werden sollen. Es werden Kurse zu den Rohstoffen Holz, Textil und Metall angeboten, aber auch Upcycling- Workshops, Verleih- und Repair-Initiativen, Sozial- und Bildungsarbeit. Städtisches Gärtnern und Ausstellungen bieten Raum für gemeinschaftliche Erfahrungen und den direkten Austausch mit der Nachbarschaft. Diese vielfältigen Möglichkeiten sind ab jetzt regelmäßig öffentlich zugänglich – für Bildungszwecke, für Kunst- und Kulturschaffen, für Haushalt und Alltag.


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Im September ist das "Haus der Materialisierung" eröffnet worden.
Das "Haus der Materialisierung" erforscht eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Kontext innovativer Stadtentwicklung und bietet vielfältige Möglichkeiten für gemeinschaftliche Erfahrungen und den direkten Austausch.

Zusatzqualifikation „mach.werk“ stellt Bäcker- und Konditorenhandwerk für Zukunft auf

Das Bäcker- und Konditorenhandwerk steht aktuell vor großen Herausforderungen. Das Handwerk bekommt immer mehr Konkurrenz durch Billigprodukte aus Supermärkten, Discountern und Backshops. Hinzu kommt, dass sich das Ernährungs- und Konsumverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern ändert. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Existenzsicherung kleiner und mittlerer Betriebe.

DBU-Sonderausschreibung

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die FH Münster im Rahmen des DBU-Projekts „Nachhaltiges Wirtschaften im Lebensmittelhandwerk" gemeinsam mit der Universität Oldenburg die Zusatzqualifikation „mach.werk“ entwickelt. Das Projekt wurde in einer DBU-Sonderausschreibung zum Jahreswechsel 2018/2019 im Zuge des UNESCO-Weltaktionsprogramms »Bildung für nachhaltige Entwicklung« gefördert. Im Fokus stehen Auszubildende zum Bäcker und zur Bäckerin, zum Konditor und zur Konditorin und zum Fachverkäufer sowie zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk. Sie sollen sich gemeinsam mit aktuellen Nachhaltigkeitsthemen im Lebensmittelhandwerk auseinandersetzen.

Kooperation mit 16 Bäckereien und Konditoreien

Die Zusatzqualifikation „mach.werk“ will Auszubildende dazu befähigen, Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung zu bewerten und durch kreative Ideen zu bewältigen. Hierbei werden die Arbeits- und Geschäftsprozesse von Bäckereien und Konditoreien ganzheitlich betrachtet, um anschließend Nachhaltigkeit in den unternehmerischen Alltag zu integrieren, Prozesse zu optimieren und zu modernisieren. Dafür haben die FH Münster und die Universität Oldenburg in Kooperation mit 16 Bäckereien und Konditoreien sowie den Handwerkskammern Münster und Oldenburg eine Zusatzqualifikation bestehend aus fünf neuen Lernmodulen und einer Abschlussprüfung entwickelt.

Die fünf Module beziehen sich auf die Themenfelder:

Als Modellregionen fungieren Münster und Oldenburg. Ausbilderinnen und Ausbilder treten dabei als Lernbegleiterinnen und -begleiter der Auszubildenden und gleichzeitig als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auf und werden entsprechend eingebunden. Bei erfolgreicher Teilnahme an der Zusatzqualifikation erhalten die Auszubildenden ein Zertifikat. Nach Erprobung und Evaluierung der Zusatzqualifikation soll diese am Ende des Projektes dauerhaft angeboten werden.


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Die Teilnehmenden des Workshops machen mit geschlossenen Augen einen Geschmackstest.
Die Auszubildenden erstellen Wissenslandkarten.
Grafik einer Wissenslandkarte

Umwelt und Kulturgüter: Vorstellung des DBU-Förderthemas

Wer nicht fragt bleibt dumm: Was steckt hinter dem DBU-Förderthema „Bewahrung und Sicherung national wertvoller Kulturgüter vor schädlichen Umwelteinflüssen“?

Natürliche und gebaute Umwelt greifen nicht nur räumlich ineinander, Denkmalschutz und Umweltschutz haben das gleiche Ziel: Durch Erhaltung und Reparatur, durch Bauen im Bestand und durch Stärkung der Nachhaltigkeit wertvolle historische Substanz zu sichern und die Natur zu entlasten. Seit Gründung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ist die Bewahrung und Sicherung von national wertvollem Kulturgut deshalb ein fest verankerter Förderschwerpunkt.

Anthropogene Einflüsse schädigen wertvolle Kulturgüter

Im Mittelpunkt stehen ­die Herausforderungen, die sich aus menschengemachten Umwelteinflüssen ergeben. Anthropogene Einflüsse auf die Umwelt schädigen nicht nur die Natur, sondern auch national wertvolle Kulturgüter. Der Umfang und die Art ihrer Schädigung haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Hierzu zählen die Veränderung der anthropogenen Emissionen ebenso wie die Auswirkungen des Klimawandels und der Umgang mit den ehemals zum Schutz eingebrachten Chemikalien. Im Sinne eines nachhaltigen Kulturgüterschutzes müssen zum Erhalt neue Strategien, Methoden, Verfahren oder Produkte entwickelt, modellhaft angewendet und kommuniziert werden.

Kulturelles Erbe bewahren und der Megatrend der Digitalisierung – für die Förderung in dieser Fachdisziplin eine gute Kombination. Denn der Einsatz digitaler Technologien bietet auch im Kulturgüterschutz große Chancen, beispielsweise für präzise Bauaufnahmen, die Visualisierungen von Bauzuständen oder die Schadensdokumentation.

Ziel: Lernort Denkmal in schulischen Alltag integrieren

Modellprojekte im Förderthema verfolgen in der Regel einen interdisziplinären Ansatz unter der Beteiligung von mittelständischen Unternehmen und der anwendungsorientierten Forschung. Aber auch Weiterqualifizierungsangebote spielen eine wichtige Rolle. Denn die Kommunikation von Problemstellungen und Lösungsstrategien in die unterschiedlichen Fachdisziplinen ist für die DBU ein großes Anliegen. Ohne das Erkennen von Schadensquellen und ohne die Kenntnis von Methoden und Verfahren zur Behebung ist ein ressourcenschonender und langfristiger Erhalt unseres kulturellen Erbes nicht gewährleistet.

Gezielt gefördert werden außerdem Vorhaben zum Kulturgüterschutz mit besonderem Fokus auf Kinder und Jugendliche, die Aspekte der Beteiligung und des ehrenamtlichen Engagements bzw. entsprechende innovative Methoden in den Mittelpunkt stellen. So etwa das vor kurzem gestartete DBU-Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) zum Thema „Lernen am Denkmal. Schädliche Umwelteinflüsse auf das Kulturerbe anschaulich im Unterricht vermitteln“. Das Ziel des Vorhabens ist es, den Lernort Denkmal in den schulischen Alltag zu integrieren und die Themen Kulturerbe und Denkmalschutz in diesem Kontext zu stärken. In Zusammenarbeit mit Schülerlaboren und Universitäten beschäftigen sich die vielfältigen Arbeiten im Projekt unter anderem mit Hausinschriften an historischen Gebäuden, mit dem Schutz und dem Erhalt von Baudenkmalen sowie technisch-naturwissenschaftlichen Fragestellungen mit starker experimenteller Ausrichtung.

Bei Fragen zum vielfältigen Thema des Umwelt- und Kulturgüterschutzes wenden Sie sich gerne an die zuständige DBU-Referentin Frau Constanze Fuhrmann.

Mehr zur DBU-Förderung unter https://www.dbu.de/foerderung

 

 

Anthropogene Einflüsse auf die Umwelt schädigen nicht nur die Natur, sondern auch national wertvolle Kulturgüter.

Stadtparks als Knotenpunkte der Klimabildung in der Ukraine

Bildung ist ein wesentliches Element der globalen Antwort auf den Klimawandel. Ein wichtiges Ziel der aktuellen Klimabildung besteht darin, einen ganzheitlichen Wandel im Denken und Verhalten herbeizuführen und die Jugend für einen sozialen Wandel sowie für eine nachhaltige Zukunft in lokalen Gemeinschaften zu gewinnen. Sie hilft, die Ursachen und Folgen des Klimawandels zu verstehen, bereitet die Lernenden auf ein Leben mit den Auswirkungen des Klimawandels vor und befähigt sie, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um nachhaltiger zu leben.

Stadtparks ein großes Potenzial

Klimabildung ist für Städte von besonderer Relevanz, da sie sowohl Treiber des Klimawandels als auch besonders von dessen Auswirkungen betroffen sind. In diesem Kontext haben Stadtparks ein großes Potenzial, zu Spielplätzen für moderne Umwelt- und Klimabildungszentren zu werden. Denn Parks spielen eine wichtige Rolle für das soziale, wirtschaftliche und physische Wohlergehen der Städte und ihrer Bewohner.

DBU-Stipendiatin analysiert Klimabildungssystem

Hier setzt die Forschungsarbeit der DBU-Stipendiatin Olha Lavryk an. Sie will das Klimabildungssystem in Deutschland analysieren und auf Grundlage von Best Practice-Beispielen ein Konzept zur Umsetzung eines Umweltbildungszentrums im Holosiivsky-National-Naturpark entwickeln. Umgeben vom Stadtgebiet Kiew weist der geschützte Waldrest des Holosiivsky-National-Naturpark eine große biologische Vielfalt mit hoher kultureller Bedeutung auf. Das Ziel von Olha Lavryks ist es, die Möglichkeiten der Nutzung von Stadtparks als Knotenpunkte der Klimabildung in der Ukraine zu analysieren. Damit möchte sie dazu beitragen, Themen wie Klimawandel und erneuerbare Energien in den Lernprozess der Bürgerinnen und Bürger zu integrieren und einen Beitrag zur Zukunft der Klimabildung in der Ukraine zu leisten.

DBU-Stipendiatin Olha Lavryk analysiert das Klimabildungssystem in Deutschland

Termin: #DBUdigital "Vom Ende der Klimakrise" – Talk mit Luisa Neubauer und Alexander Bonde

Donnerstag, 19. November 2020, 18:00 bis 19:00 Uhr, digitale Veranstaltung

Klimaschutzaktivistin trifft Generalsekretär. Was bewegt Luisa Neubauer, was bewegt Alexander Bonde? Beide engagieren sich für den Klimaschutz: Sie an vorderster Front bei Fridays for Future, in Talkshows und als Buchautorin. Er als Generalsekretär von Europas größter Umweltstiftung, der DBU. Beim digitalen Talk sprechen die beiden über ihr Engagement und diskutieren über die Reduktion von CO2-Emissionen, den Erhalt der Artenvielfalt und Generationengerechtigkeit. Außerdem stellt Luisa Neubauer ihr aktuelles Buch „Vom Ende der Klimakrise: Eine Geschichte unserer Zukunft“ vor.

Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist unter folgendem Link möglich:

https://zoom.us/meeting/register/tJYpfuGhrjsiEtRpzYTM5nKvNOnskfFbG4nK