Umweltauswirkungen bei neuen Medikamenten stĂ€rker berĂŒcksichtigen

DBU fordert nach Expertentagung sorgsameren Umgang mit Arzneimitteln

OsnabrĂŒck. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fordert bessere Nachhaltigkeitsbewertungen pharmazeutischer Produkte und eine stĂ€rkere BerĂŒcksichtigung der Umweltauswirkungen bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe. „Es gibt eine ganze Reihe vielversprechender AnsĂ€tze, um Umweltbelastungen durch das Ausscheiden nicht abgebauter Wirkstoffe von Medikamenten bei Mensch und Tier deutlich zu verringern“, betont heute DBU-GeneralsekretĂ€r Dr. Heinrich Bottermann. Gemeinsam mit weiteren DBU-Experten hatte Bottermann die Ergebnisse einer jĂŒngst in OsnabrĂŒck von der DBU ausgerichteten Fachtagung ausgewertet und daraus SchlĂŒsse gezogen. So könnten etwa mit einer personalisierten Medizin oder dem Anwenden anderer Darreichungsformen sowie neuen Techniken wie dem „drug targeting“, dem selektiven Anreichern eines Arzneistoffs am gewĂŒnschten Wirkort nach systemischem Verabreichen eines Medikaments, ArzneimitteleintrĂ€ge in die Umwelt zumindest vermindert werden.

In Human- und Tiermedizin sorgsamer mit Arzneimitteln umgehen

ArzneimittelrĂŒckstĂ€nde in der Umwelt seien ĂŒberall auf der Welt ein Problem, betont Bottermann. Umso sorgsamer sollten die Human- und Tiermedizin mit Arzneimitteln umgehen, damit die Restwirkstoffe nicht mehr in OberflĂ€chengewĂ€sser, Grund- und Trinkwasser, Böden oder GĂŒlle gelangten. Sie könnten die Umwelt belasten und die Entwicklung von Wasserlebewesen gefĂ€hrden. Bisher seien nur vereinzelt Spuren dieser Mikroschadstoffe im Trinkwasser nachgewiesen worden. Eine unmittelbare Gefahr fĂŒr die menschliche Gesundheit bestehe nicht. Das mĂŒsse aber auch so bleiben.

Mit besseren Hygiene- und Prophylaxemaßnahmen in der Tierhaltung Einsatz von Antibiotika deutlich verringern

Bottermann sieht verschiedene Wege zum Vermeiden von ArzneimitteleintrĂ€gen, die heute mit dem gereinigten Abwasser aus den KlĂ€ranlagen oder ĂŒber den GĂŒlle-DĂŒnger in die Umwelt gelangten: „Ein wichtiger Ansatz ist es, die Dosierung der Arzneimittel so zu gestalten, dass die Menge ausgeschiedener Wirkstoffe verringert wird. Mit Blick auf den Einsatz von Antibiotika muss geltendes Recht gerade in der Tierhaltung konsequent eingehalten werden, wonach ein  vorbeugendes Verabreichen nicht erlaubt ist.“ Auch mit besseren Hygiene- und Prophylaxemaßnahmen in der Tierhaltung könne der Einsatz von Antibiotika deutlich verringert werden.

DBU fördert seit Jahren unterschiedliche LösungsansÀtze

Um den Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt zu verringern, fördere die DBU bereits seit vielen Jahren unterschiedliche LösungsansĂ€tze, wie Bottermann erklĂ€rt: „Dazu gehören Arzneimittel, die bei gleicher Wirksamkeit bereits im Körper möglichst vollstĂ€ndig abgebaut und nicht mehr ausgeschieden werden.“ Auch ein verbessertes Stall- und Abluftmanagement sowie die Darreichungsform von Medikamenten könnten ein unkontrolliertes Ausbreiten antibiotischer Wirkstoffe verhindern, indem die Medikamente etwa in Pellet- statt Pulverform an Tiere verabreicht wĂŒrden. Es sei mittlerweile erwiesen, dass sich beim Anwenden von Pulvern die Wirkstoffe ĂŒber Stallstaub und LĂŒftungsanlagen verbreiteten. Neben gesunden Tieren nĂ€hmen auch Landwirte und TierĂ€rzte, die in den StĂ€llen arbeiteten, diese Substanzen auf.

"Über viele Stoffe und deren Auswirkungen fehlen Langzeitstudien"

Aber nicht nur Antibiotika, sondern Arzneimittel generell könnten ungewollte Auswirkungen auf die Umwelt haben. Bestimmte Antiepileptika und Betablocker gegen Bluthochdruck wĂŒrden die Organe von Fischen schĂ€digen, das EmpfĂ€ngnisverhĂŒtungsmittel Ethinylestradiol verĂ€ndere die Geschlechtsmerkmale bei Fischen, Psychopharmaka hĂ€tten Einfluss auf das Verhalten von Barschen. Bottermann: „Die Grundlage fĂŒr alle Maßnahmen zum Verhindern von ArzneimitteleintrĂ€gen in die Umwelt sind ein besseres und flĂ€chendeckendes Umweltmonitoring sowie eine stĂ€rkere Wirkungsforschung. Über viele Stoffe und deren Auswirkungen fehlen Langzeitstudien und Erkenntnisse, die ein Gegensteuern erst möglich machen.“ Zu dem DBU-Forum „Sanfte Medizin fĂŒr sauberes Wasser“ waren Wissenschaftler und Experten aus Politik, Wasserwirtschaft und Medizin nach Os-nabrĂŒck gekommen, um die aktuellen Fragen und Herausforderungen zur Umweltrelevanz von ArzneimittelrĂŒckstĂ€nden in der Umwelt zu diskutieren. Das DBU-Positionspapier im Wortlaut hier: https://www.dbu.de/index.php?menuecms_optik=&menuecms=123&objektid=35999

Die Auswirkungen von Arzneimitteln auf die Umwelt sollen nach Vorstellungen der DBU deutlich verringert werden.

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