Naturfreunde schmelzen fĂŒr Eisenzeit dahin: In Lehrte bald historisch-ökologische Bildung

Haus Grafhorn wird weiterentwickelt – Neue Zielgruppen im Blick – DBU-Kurator Miersch ĂŒbergab Bewilligung

Hannover-Lehrte. Die Eisenzeit ist lange her. Von 800 bis 150 vor Christi Geburt stand die Eisenerz-VerhĂŒttung auch in und um Hannover hoch im Kurs – und produzierte schon frĂŒh erste ökologische Krisen. Was diese historische Epoche mit der Gegenwart in Sachen nachhaltige Landwirtschaft, Imkerei und Forstwirtschaft trennt oder verbindet, wollen die Naturfreunde Lehrte in einem „Miniatur-Freilichtmuseum“ aufzeigen und so ein „differenziertes NachhaltigkeitsverstĂ€ndnis fĂŒr SchĂŒler der Sekundarstufen I und II wie fĂŒr Jugendgruppen befördern“, betonte heute Matthias Miersch (MdB). Das Kuratoriumsmitglied der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ĂŒberreichte Wilfried Helmreich, Leiter der Ortsgruppe Lehrte der Naturfreunde Deutschlands, ein Bewilligungsschreiben ĂŒber 150.000 Euro, mit dem die DBU neben ihrem Expertenwissen hilft, das Naturfreunde-Haus Grafhorn in Lehrte von einem Beherbergungsbetrieb zu einer historisch-ökologischen BildungsstĂ€tte weiterzuentwickeln.

Auslöser fĂŒr Bildungsprojekt: archĂ€ologische FundstĂŒcke aus der Eisenzeit

Auslöser fĂŒr die Idee zu einem „Miniatur-Freilichtmuseum“ waren archĂ€ologische Grabungsfunde in der Flur „Grafhorn“ gewesen, bei denen unter anderem zwei eisenzeitliche GebĂ€ude zu Tage getreten waren und weitere FundstĂŒcke aus der Eisenzeit das Licht der Gegenwart erblickten, erinnert sich Helmreich. Gemeinsam mit Fachbehörden, wissenschaftlichen Einrichtungen und dem Landesmuseum in Hannover sollen die GebĂ€ude sowie ein eisenzeitlicher Nutzgarten rekonstruiert und in ein neues Umweltbildungskonzept am Standort integriert werden. Dabei spiele das Einbinden ehrenamtlicher Naturfreunde-Akteure eine zentrale Rolle, um aus dem Beherbergungsbetrieb eine historisch-ökologische BildungsstĂ€tte wachsen zu lassen.

Entwicklungsstufen einer nachhaltigen Landnutzung von der Eisenzeit bis heute

Inhaltlich fokussiere das Vorhaben auf die Entwicklungsstufen einer nachhaltigen Landnutzung von der Eisenzeit bis heute. Es sollten entsprechende Angebote fĂŒr SchĂŒler der Sekundarstufe I und II, aber auch fĂŒr andere verbandliche Jugendgruppen sowie fĂŒr TagesgĂ€ste realisiert werden und regionale Umweltbildungsakteure aus Land- und Forstwirtschaft, Imkerei und Umweltbildung eingebunden werden. Im Rahmen von Exkursionen sollen landwirtschaftliche FlĂ€chen, WĂ€lder, Naturschutzgebiete, aber auch kulturhistorische FundstĂ€tten aus der Eisenzeit berĂŒcksichtigt werden.

"Miniatur-Freilichtmuseum" fĂŒr SchĂŒler: Lernorte und LandschaftsphĂ€nomene

Zahlreiche Lernorte und LandschaftsphĂ€nomene um die Bildungseinrichtung, wie Wallhecken, HudebĂ€ume, unterschiedliche landwirtschaftlich genutzte Areale, Wiesen, WĂ€lder, Brachen, Moore, GewĂ€sser, NaturdenkmĂ€ler und Naturschutzgebiete, sollen im Rahmen von Exkursionen programmatisch eingebunden werden. „In zwei rekonstruierten eisenzeitlichen GebĂ€uden wollen wir eine funktionsfĂ€hige Schmiede sowie HandwerksrĂ€ume zum Töpfern, Weben, Tischlern und Schnitzen einrichten“, erklĂ€rt Helmreich. Ein ‚Eisenzeitgarten‘ mit typischen Nutzpflanzen dieser Epoche wie Hirse, Gerste, Weizen, RĂŒben, HaselnĂŒsse, KrĂ€uter, Flachs/Lein soll kultiviert werden. Helmreich: „Diese Anschauungsobjekte und praktischen Lernorte ergĂ€nzen wir im Naturfreundehaus durch eine Dauerausstellung mit ausgewĂ€hlten Exponaten der Eisenzeit aus der Region.“

Miersch: "Menschlicher Einfluss auf Natur und Landschaftsbild auf aktuelle Lebensgrundlagen ĂŒbertragbar"

Von dem „standörtlichen Alleinstellungsmerkmal“ zeigte sich DBU-Kurator Miersch angetan. „Der menschliche Einfluss auf die Natur, VerĂ€nderungen im Landschaftsbild ĂŒber die Jahrhunderte sowie Aspekte der nachhaltigen Landnutzung von der Eisenzeit bis heute können demonstriert und auf aktuelle Landnutzungsformen sowie deren Einfluss auf unsere Konsumgewohnheiten und Lebensgrundlagen ĂŒbertragen werden. So entsteht ein neues VerstĂ€ndnis von Nachhaltigkeit. Die Kombination von historischen Nachbauten von GebĂ€uden aus der Eisenzeit mit der PrĂ€sentation eisenzeitlicher Artefakte sowie das Einbeziehen von Außenanlagen mit historisch nachempfundenen NutzgĂ€rten bieten die einmalige Chance, neue Zielgruppen zu erreichen.“

Ansprechpartner fĂŒr Fragen zum Projekt (AZ 31948): Wilfried Helmreich, Ortsgruppe Lehrte der Naturfreunde Deutschlands, Telefon: 05175/93150

DBU-Kurator Matthias Miersch (4.v.r.) ĂŒberreichte den Bewilligungsbescheid ĂŒber 150.000 Euro an den ersten Vorsitzenden der Naturfreunde Lehrte, Wilfried Helmreich (5.v.r.). Mit der Förderung soll ein "Miniatur-Freilichtmuseum" zur Eisenzeit realisiert werden.

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