NatĂŒrliche BestĂ€nde schonen: DBU fördert nachhaltige Edelkrebszucht

Kuratorium bewilligt rund 300.000 fĂŒr Pilotprojekt

Bremerhaven/Neustadt/Landau. „Die Nachfrage nach Fisch und Krustentieren steigt kontinuierlich. Um WildbestĂ€nde nicht zu gefĂ€hrden, mĂŒssen tiergerechte, nachhaltige Zuchtmethoden entwickelt werden.“ – Das erklĂ€rte heute Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, GeneralsekretĂ€r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die mit rund 300.000 Euro ein neues Projekt des Instituts fĂŒr Marine Ressourcen (IMARE) aus Bremerhaven unterstĂŒtzt. Darin soll der europĂ€ische Edelkrebs im Zentrum fĂŒr Aquakulturforschung (ZAF) in geschlossenen Kreislaufanlagen nachhaltig gezĂŒchtet werden. Das Projekt biete außerdem die Möglichkeit, den Krebs spĂ€ter – unterstĂŒtzt von NaturschutzverbĂ€nden – in seinem angestammten Lebensraum wieder einzusetzen. In Deutschland sei der Edelkrebs durch verschmutzte GewĂ€sser und weniger anspruchsvolle nordamerikanische Krebsarten in seiner Existenz bedroht. Brickwedde: „FrĂŒher war der Edelkrebs ein hĂ€ufig vorkommender Speisekrebs. Heute ist er nur noch an handverlesenen Standorten zu finden.“

Heimische Krebsarten durch eingeschleppte Erreger bedroht

Durch den GewĂ€sserausbau seien viele alte LebensrĂ€ume fĂŒr den Edelkrebs (Astacus astacus) verloren gegangen, erklĂ€rte IMARE-Projektleiter Prof. Dr. Bela H. Buck, dessen Institut das Projekt mit dem Alfred-Wegener-Institut fĂŒr Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, dem Institut fĂŒr Umweltwissenschaften der UniversitĂ€t Koblenz-Landau sowie der Poggenhagener Forellenteichwirtschaft und Edelkrebszucht Göckemeyer in Neustadt (Niedersachsen) durchfĂŒhrt. Zudem sei mit nordamerikanischen Krebsarten schon im 19. Jahrhundert die so genannte „Krebspest“ nach Europa eingeschleppt worden, eine tödlich verlaufende Pilzerkrankung. Die fremden Krebse seien gegen den Erreger immun, die einheimischen Flusskrebse diesem jedoch schutzlos ausgeliefert. „Der Erreger hat sich mit dem VorrĂŒcken der neuen Krebsarten in ganz Europa verbreitet und viele europĂ€ische Flusskrebsvorkommen komplett ausgelöscht“, sagte er weiter.

Zucht in geschlossene Kreislaufanlagen vorantreiben

Der europĂ€ische Flusskrebs sei zudem ein hochwertiger Speisekrebs, betonte Buck. Da es in Deutschland kaum noch natĂŒrliche Vorkommen gebe, die tatsĂ€chlich nutzbar seien, mĂŒsse eine Alternative gefunden werden, mit der die steigende Nachfrage gedeckt und verbliebene einheimische KrebsbestĂ€nde wieder aufgestockt werden können. Im Projekt solle deshalb die Zucht in geschlossenen Kreislaufanlagen vorangetrieben werden. „In offenen Zuchtsystemen - wie Teichen - können sich Krankheiten leichter ĂŒbertragen. Außerdem werden sie stark vom Wetter beeinflusst. Geschlossene Systeme bieten dagegen stabile und gut kontrollierbare Bedingungen“, so der Experte.

Erkenntnisse fĂŒr Erhalt von WildbestĂ€nden gewinnen

Kerngedanke des Projekts ist laut Buck der Ansatz „SchĂŒtzen durch Nutzen“: „Aus der kontrollierten Aufzucht und dem BerĂŒcksichtigen von Tierschutzaspekten lassen sich neue Erkenntnisse fĂŒr den Erhalt wildlebender Populationen gewinnen. Daraus können wir wiederum gezielte Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen ableiten und den Raubbau an natĂŒrlichen Ressourcen eindĂ€mmen.“ Mit Hilfe eines artspezifischen Designs sollen Stoff- und Energieströme innerhalb der Anlage optimiert, verringert und anschließend in der Praxis getestet werden. Zur Vergleichbarkeit des neuen, geschlossenen Aquakultursystems wird die Zucht parallel in einem offenen Teichsystem protokolliert.

Zusammenarbeit mit UmweltverbÀnden verstÀrken

„Nach Projektabschluss wollen wir die gewonnenen Ergebnisse nutzen, um auch die Zusammenarbeit mit UmweltverbĂ€nden und Vereinen zu verstĂ€rken. Mit den nachhaltig gezĂŒchteten, heimischen Krebsen können gemeinsame Wiederansiedlungsversuche unternommen werden, die die ökologische Vielfalt sichern“, sagte Buck.

Ansprechpartner fĂŒr Fragen zum Projekt (AZ 28879): Prof. Dr. Bela H. Buck, Projektleiter, Telefon 0471/48311868, Telefax 0471/48312210

In geschlossenen Kreislaufanlagen nachaltig gezĂŒchtet werden soll der europĂ€ische Edelkrebs (Astacus astacus). Das DBU-Projekt bietet außerdem die Möglichkeit, ihn spĂ€ter - unterstĂŒtzt von NaturschutzverbĂ€nden - in seinem angestammten Lebensraum wieder einzusetzen.
Im Zentrum fĂŒr Aquakulturforschuchung (ZAF) des Institute for Marine Resources (IMARE) in Bremerhaven soll das Projekt praktisch umgesetzt werden.

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