„Großer Coup beim Energiesparen“: DBU setzt Klimakampagne fort

„Haus sanieren – profitieren“ lĂ€uft vier weitere Jahre – 2010 förderte Stiftung 263 Projekte mit 46,6 Millionen Euro

OsnabrĂŒck. Deutschland steht vor einer tief greifenden Energiewende: WindrĂ€der und Solarparks sollen herkömmliche EnergietrĂ€ger ablösen. „Das allein reicht aber nicht. Wir mĂŒssen Energie effizienter einsetzen, ressourcenschonender herstellen und zwingend weniger Energie verbrauchen, wenn der Spagat zwischen Energiewende und Klimaschutz gelingen soll“, mahnte Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, GeneralsekretĂ€r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), heute bei der Vorstellung des Jahresberichts 2010. Auch global spiele dabei die Umwelttechnik eine zentrale Rolle. Brickwedde: „Moderne Umwelttechnik ist unverzichtbar, um die Auswirkungen von Bevölkerungswachstum, Globalisierung und Industrialisierung der SchwellenlĂ€nder auf das ‚Ökosystem Erde‘ zu begrenzen.“ 2010 habe sich die DBU stark um Energie-Projekte gekĂŒmmert – und gerade beschlossen, die DBU-Klimaschutz- und Info-Kampagne „Haus sanieren – profitieren“ fĂŒr weitere vier Jahre mit 1,3 Millionen Euro bis Ende 2016 fortzufĂŒhren.

340.000 Tonnen Kohlendioxid dank Klimaschutzkampagne „Haus sanieren – profitieren“ eingespart

Ein „großer Coup beim Energieeinsparen“ sei der DBU mit ihrer Klimaschutzkampagne „Haus sanieren – profitieren“ gelungen. Über 230.500 Hausbesitzer hĂ€tten sich bisher im Rahmen eines kostenlosen Energie-Checks durch rund 11.500 eigens geschulte Handwerker ĂŒber den energetischen Zustand ihres Hauses informieren lassen, bilanzierte Brickwedde. Jeder Zweite habe im Anschluss an den Energie-Check auch tatsĂ€chlich eine Sanierung der eigenen vier WĂ€nde veranlasst. Dadurch seien nicht nur rund 2,6 Milliarden Euro in das Handwerk geflossen, sondern auch rund 340.000 Tonnen klimaschĂ€dliches Kohlendioxid eingespart worden, was einer Energieeinsparung von rund 96 Millionen Litern Heizöl entspreche. „Eine ursprĂŒngliche Hochrechnung ging davon aus, dass mithilfe der Initiative rund 135.000 Tonnen eingespart wĂŒrden. Das Soll wurde also weit ĂŒbertroffen“, freute sich Brickwedde. Aufgrund des durchschlagenden Erfolgs der Kampagne habe sich die DBU jetzt fĂŒr die VerlĂ€ngerung bis Ende 2016 entschieden. Nach fĂŒnf Millionen Euro fĂŒr die erste Phase werde die DBU nun weitere rund 1,3 Millionen Euro in die Hand nehmen.

KindertagesstÀtte spart durch energetische GebÀudesanierung 65 Prozent Energie

Das Thema Sparen von Energie bzw. Energieeffizienz hat laut Brickwedde auch bei anderen Projekten des Jahres 2010 eine große Rolle in der Stiftungsarbeit gespielt. Der DBU-GeneralsekretĂ€r verwies auf die DBU-geförderte, energetische Sanierung der KindertagesstĂ€tte „Sonnenschein“ in Wismar. Der schlechte DĂ€mmstandard und die großen FensterflĂ€chen des 1974 in Plattenbauweise errichteten GebĂ€udes hĂ€tten zu hohen WĂ€rmeverlusten im Winter und zu Überhitzungs- und Blendungsproblemen im Sommer gefĂŒhrt. Mit finanzieller UnterstĂŒtzung der DBU wurde die GebĂ€udehĂŒlle saniert, eine thermische Pufferzone in Form eines Atriums errichtet, eine kontrollierte LĂŒftung mit WĂ€rmerĂŒckgewinnung eingebaut und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach angebracht. Der Endenergieverbrauch des GebĂ€udes, von dessen Typ es rund 300 weitere gibt, konnte um rund 65 Prozent gesenkt, der PrimĂ€renergieverbrauch auf 38 Kilowattstunden pro Quadratmeter verringert werden. Im Jahr wĂŒrden nun insgesamt 135 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

SandwichwÀnde mit integrierter WÀrmedÀmmung senken Energieverbrauch in Kellern um 30 Prozent

Ein von der DBU gefördertes Projekt der Firma Schöck (Baden-Baden), die sich auf die Entwicklung von SandwichwĂ€nden mit integrierter WĂ€rmedĂ€mmung spezialisiert habe, hat laut Brickwedde ebenfalls ein hohes Energieeinsparpotenzial. Beim Bau von Kellern fĂŒr EinfamilienhĂ€user lasse sich der Energieverbrauch mit diesem System im Vergleich zum gegenwĂ€rtigen Stand der Technik um rund 30 Prozent herabsetzen. Die Neuheit des Systemaufbaus bestehe darin, dass die Wandschalen aus Beton durch glasfaserverstĂ€rkte Hohlwandanker verbunden und in einem definierten Abstand gehalten werden. Die WĂ€nde seien zudem kostengĂŒnstig, montagefreundlich und recyclingfĂ€hig.

PrÀsentierten den Jahresbericht 2010 mit Daten und Fakten sowie dem Themenschwerpunkt "Energiesparen und erneuerbare Energien" (v.r.): DBU-GeneralsekretÀr Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde und DBU-Verwaltungschef Michael Dittrich.

"Energieschleuder" KlÀranlage: DBU-Projekt ermittelte Einsparpotenziale von mindestens 25 Prozent

Auch ein Projekt der Deutschen Vereinigung fĂŒr Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) aus Hennef, das sich mit Energieeinsparungen in KlĂ€ranlagen befasse, passe in diesen Kontext. KlĂ€ranlagen gehörten zu den elektrischen Großverbrauchern und benötigten rund 4,2 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Zum Vergleich: Alle Schulen in Deutschland verbrauchen jĂ€hrlich insgesamt etwa drei Milliarden Kilowattstunden. Im Ergebnis der DBU-geförderten Untersuchung seien Sparpotenziale ermittelt und konkrete AnsĂ€tze zum nachhaltigen Umgang mit Energie formuliert worden. Allein durch kurz- und mittelfristige Maßnahmen lasse sich der Energieverbrauch in KlĂ€ranlagen nun um mindestens 25 Prozent verringern, erlĂ€uterte Brickwedde.

Strom aus AbwĂ€ssern: DBU unterstĂŒtzte Studie zum Einsatz von mikrobiellen Brennstoffzellen

Einen weiteren Themenschwerpunkt hĂ€tten fĂŒr die DBU 2010 Projekte zu erneuerbaren Energien gebildet. Die weltweit grĂ¶ĂŸte Umweltstiftung förderte etwa eine Machbarkeitsstudie des CUTEC-Instituts (Clausthal-Zellerfeld) und des Instituts fĂŒr Technische Chemie der UniversitĂ€t Hannover, an deren Ende die konkreten Einsatzbedingungen einer mikrobiellen Brennstoffzelle ermittelt wurden. Mit diesen Zellen lasse sich aus AbwĂ€ssern in KlĂ€ranlagen Strom erzeugen, erklĂ€rte Brickwedde. Sie enthielten lebende Mikroorganismen, die ĂŒber organische Verbindungen elektrischen Strom produzierten. Mittel- bis langfristig könnten mikrobielle Brennstoffzellen den Energieverbrauch von KlĂ€ranlagen deutlich verringern, wenn sie entsprechend weiterentwickelt wĂŒrden, sagte Brickwedde.

Positive Bilanz: finanzielles Jahresergebnis um 36 Prozent auf 97,6 Millionen Euro gesteigert

Ihr finanzielles Jahresergebnis habe die DBU 2010 gegenĂŒber dem Vorjahr um gut 36 Prozent auf 97,6 Millionen Euro steigern (2009: 71,6 Millionen Euro) können, erlĂ€uterte DBU-Finanzchef Michael Dittrich. Dem Stiftungskapital seien 53 Millionen Euro als RĂŒcklage zugefĂŒhrt worden. Es betrage aktuell 1,889 Milliarden Euro und sei damit auch im Realwert, also unter BerĂŒcksichtigung der Inflation, wieder vollstĂ€ndig erhalten. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in 2011 ein Ă€hnlich gutes Ergebnis erzielen und bei Fördermitteln auf gleichem Niveau trotz einer deutlich höheren Inflationsrate erneut den realen Wert des Kapitals erhalten können“, erklĂ€rte Dittrich.

2010 durch 263 innovative Modellprojekte 46,6 Millionen Euro in Umweltschutz investiert

Im Jahr 2010 gingen bei der DBU insgesamt 1.031 AntrÀge und Projektskizzen ein (2009: 985). Bewilligt wurden 263 Vorhaben mit rund 46,6 Millionen Euro (2009: 312 Vorhaben mit 52,1 Millionen Euro). Damit hat die Stiftung seit Aufnahme ihrer FördertÀtigkeit im MÀrz 1991 bis Ende 2010 insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Fördermitteln bewilligt und damit mehr Geld in den innovativen Umweltschutz investiert als sie seinerzeit als Stiftungskapital erhalten hatte (1,288 Milliarden Euro).

DBU fördert praktische Lösung von Umweltproblemen in kleinen und mittleren Unternehmen

Die DBU ist eine der grĂ¶ĂŸten Stiftungen Deutschlands, in Sachen Umwelt die grĂ¶ĂŸte der Welt. Sie fördert die KreativitĂ€t kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz fĂŒr ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Die Stiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundliche Produkte und Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz und vergibt jĂ€hrlich den mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis, der zugleich der höchstdotierte Umweltpreis Europas ist. Der Jahresbericht kann kostenlos bei der DBU bestellt werden: An der Bornau 2, 49090 OsnabrĂŒck, Telefon 0541/9633-0, Fax 0541/9633-190, E-Mail info@dbu.de. Download im Internet hier.

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