FACHINFORMATION: NatĂŒrliches Gas fĂŒr schonendere Narkose: Xenon als Alternative?

Klinikum der UniversitÀt Ulm entwickelt "Recycling"-Technik, die entscheidend den Einsatz ermöglichen soll - Umweltstiftung fördert
Projektpartner: Klinikum der UniversitĂ€t Ulm,Baden-WĂŒrttemberg

Projekttitel: Neuartige Narkosegase (AZ: 02166)

Fördersumme: Fördersumme: 860.400,00 DM

Zielsetzung und BegrĂŒndung: Unter der FederfĂŒhrung des UniversitĂ€tsklinikums Ulm, Abteilung fĂŒr AnĂ€sthesiologie (Prof. Dr. Georgieff, Dr. Marx), wurde ein Vorhaben mit UnterstĂŒtzung des LĂŒbecker DrĂ€gerwerkes zur Entwicklung und RĂŒckgewinnung neuartiger Narkosegase erfolgreich durchgefĂŒhrt. Die Ulmer Gruppe ist die einzige weltweit, der es gelungen ist, ein Inhalationsnarkotikum zu entwickeln, das auf gesundheits- und umweltbeeintrĂ€chtigende Nebenwirkungen gĂ€nzlich verzichtet. Sie verwendet fĂŒr eine Narkose das Edelgas Xenon, ein natĂŒrlich vorkommendes Gas, das keine UmweltbeeintrĂ€chtigungen und darĂŒber hinaus eine Reihe medizinischer Vorteile, wie erhöhte KreislaufstabilitĂ€t, verringerte AusschĂŒttung von Streßhormonen und eine vom Patienten angenehm empfundene Narkose, bietet. Da Xenon sehr teuer und relativ selten ist, kann es als Inhalationsnarkotikum nur im Rahmen einer sog. "MikroflußanĂ€sthesie" eingesetzt werden. Hauptziel des Vorhabens war daher die Entwicklung einer Technik, die dieses kostbare Gas zurĂŒckgewinnt, aufreinigt und im Kreislauf fĂŒhrt.

Nach dem jetzigen Stand der Dinge ist es möglich, mit Hilfe eines GerĂ€teprototypen das Narkosegas Xenon zurĂŒckzugewinnen und im Operationssaal im Kreislauf zu fĂŒhren. Eine bestimmte Mischung Sauerstoff/Xenon reicht als Inhalationsnarkotikum vollkommen aus, was bedeutet, daß die bisher eingesetzten Narkosemittel vom H-FKW-(Fluorkohlenwasserstoff) Typ sowie das Lachgas vollkommen ĂŒberflĂŒssig sein werden. Entsprechende Versuche in der Klinik wurden bisher noch nicht am Menschen, sondern mit Schweinen als Versuchstieren durchgefĂŒhrt. Das NarkoserĂŒckgewinnungsgerĂ€t arbeitete bisher fehler- und störungsfrei.

Die Firma DrĂ€ger aus LĂŒbeck, einer der bedeutendsten Hersteller von NarkosegasgerĂ€ten in Deutschland, unterstĂŒtzt das Vorhaben ebenso wie die Firma Messer-Griesheim mit der Absicht, das GerĂ€t nach Serienreife zu vermarkten. FĂŒr das neuartige NarkosegerĂ€t sind europa- und weltweit Patente angemeldet. Auf dem Weltjahreskongreß der AnĂ€sthesisten in Sydney im April dieses Jahres wurden das GerĂ€t und die bisher erhaltenen Ergebnisse einem Fachpublikum von mehreren tausend Teilnehmern erstmalig ausfĂŒhrlich vorgestellt.