„Den organisierten Naturschutz aus der Nische in das Zentrum unserer Gesellschaft gerĂŒckt“

DBU-Deutscher Umweltpreis 2014: „Ehrenpreis Lebensleistung“ fĂŒr Hubert Weinzierl

Wiesenfelden. „Hubert Weinzierl ist einer der ganz wenigen Zeitzeugen, die den organisierten Naturschutz aus der Nische in das Zentrum unserer Gesellschaft gerĂŒckt haben.“ Mit diesen Worten wĂŒrdigte heute Dr. Heinrich Bottermann, GeneralsekretĂ€r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Lebenswerk des Umwelt- und NaturschĂŒtzers. Seit 60 Jahren engagiere sich der gelernte Land- und Forstwirt national und international fĂŒr Ökologie- und Naturschutz. Bottermann: „Weinzierl ist nicht eine, er ist die tragende Persönlichkeit des Naturschutzes in Deutschland. Er hat wichtige Akzente fĂŒr Nachhaltigkeit, Schöpfungsverantwortung und den Schutz der Artenvielfalt gesetzt. Er versteht es, seine Leidenschaft fĂŒr die Natur mit modernem Unternehmergeist zu verbinden.“ DafĂŒr wird Weinzierl (78) am 26. Oktober bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises der DBU in Kassel von BundesprĂ€sident Joachim Gauck den „Ehrenpreis Lebensleistung“ der DBU ĂŒberreicht bekommen.

"Profiliertester NaturschĂŒtzer Deutschlands"

„Vordenker, VisionĂ€r, NaturschutzprĂ€sident: Hubert Weinzierl gilt vielen als profiliertester NaturschĂŒtzer Deutschlands und Integrationsfigur von klassischem Naturschutz und moderner Umweltpolitik“, sagte Bottermann. FĂŒr Weinzierl sei Naturschutz kein Beruf, sondern eine Denkweise. Seit seinem Studium der Forstwissenschaft habe sich Weinzierl aktiv und mit viel Zivilcourage in der Naturschutzbewegung engagiert. Eine besonders prĂ€gende Phase seines NaturschĂŒtzer-Wirkens sei das Schaffen des Nationalparks im Bayerischen Wald gewesen sowie sein Mitwirken beim Zustandekommen des ersten Umweltministeriums in Bayern. Der wohl wichtigste Prozess, den der unternehmerische NaturschĂŒtzer angeschoben habe, war es, Ökologie und Politik zueinander zu bringen, den Naturschutz parteiĂŒbergreifend politikfĂ€hig zu machen. DafĂŒr habe er auch die Auseinandersetzung mit der Politik nicht gescheut, immer mit dem Ziel einer globalisierten, ganzheitlichen Welt- und Umweltpolitik vor Augen.

„Hubert Weinzierl ist einer der ganz wenigen Zeitzeugen, die den organisierten Naturschutz aus der Nische in das Zentrum unserer Gesellschaft gerĂŒckt haben.“

Vom Unternehmer zum bedeutenden Vorreiter der Ökologiebewegung

„Weinzierls Lebensgeschichte vom Unternehmer zum bedeutenden Wegbereiter der Ökologiebewegung in Deutschland ist ein Beweis dafĂŒr, dass Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch sein mĂŒssen“, sagte Bottermann. Als Sohn einer Unternehmerfamilie, die einen Steine-und-Erden-Betrieb unterhielt, habe er es in beispielhafter Weise verstanden, seine Leidenschaft fĂŒr die Natur mit modernen Managementmethoden eines Unternehmers zu verbinden. Er habe bereits in den 50er Jahren großrĂ€umige Rekultivierungsmaßnahmen von Kiesgruben initiiert. Bei der Umstellung seines Landwirtschaftsbetriebs auf Biolandbau habe er Pionierarbeit geleistet und damit zur Entwicklung des ökologischen Landbaus beigetragen.

Impulse fĂŒr nachhaltigen Lebensstil und praktischen Artenschutz gegeben

Beispielhaft seien besonders seine Impulse fĂŒr die Umweltbildung, einen nachhaltigen Lebensstil, fĂŒr die Begegnung von Kultur- und Naturwissenschaft sowie fĂŒr den praktischen Artenschutz - etwa die WiedereinbĂŒrgerung von ausgerotteten Tierarten wie Biber, Uhu, Luchs oder Wildkatze. Weinzierl habe immer zu Bedenken gegeben, dass Deutschland einen großen Nachholbedarf beim Erhalt der biologischen Vielfalt habe und dass die Verringerung der Artenvielfalt ungebremst voranschreite. Die Zerstörung der biologischen Vielfalt und das Artensterben wĂŒrden durch den Klimawandel und die Konkurrenz um FlĂ€chen noch verstĂ€rkt. Moore und intakte Waldgebiete mĂŒssten als Speicher von Kohlendioxid geschĂŒtzt werden. Auch der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien sei fĂŒr ihn angesichts der Endlichkeit fossiler EnergietrĂ€ger, der messbaren KlimaverĂ€nderungen und der Verantwortung gegenĂŒber kĂŒnftigen Generationen ohne Alternative. Weinzierl habe den „Ehrenpreis Lebensleistung“ der DBU verdient, weil er Natur- und Umweltschutz als eine persönliche Berufung betrachtet und in Zeiten des mit vielen Umweltbelastungen verbundenen Wirtschaftswachstums persönlich auch stets praktiziert und gelebt habe. So habe er mit der 1970 von ihm gegrĂŒndeten Aktion „Saubere Landschaft“ den damals ganz neuen Gedanken des Recyclings zum Kampf gegen die dramatische Umweltverschmutzung durch achtloses Wegwerfen von MĂŒll angestoßen.

Modernes VerstÀndnis von umweltpolitischen NaturschutzverbÀnden

Die Liste von Weinzierls ehrenamtlichen Funktionen und Ämtern in NaturschutzverbĂ€nden und -organisationen ist lang: 1964 Mitglied im PrĂ€sidium des Deutschen Naturschutzrings (DNR), 1965 bis 1972 ehrenamtlicher Regierungsbeauftragter fĂŒr Naturschutz in Niederbayern und 1970 Sonderbeauftragter des Deutschen Naturschutzrings fĂŒr das EuropĂ€ische Naturschutzjahr. Von 1969 bis 2002 war Weinzierl Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern (BN). Mit Hilfe von Weinzierls unternehmerischen Organisationsstrategien sei dort schon in Weinzierls jungen Jahren die Wende vom kleinen, unpolitischen und eher geselligen Verein zu einem bedeutsamen naturschutz- und umweltpolitischen Interessenverband sowie die bundesweite Ausdehnung zum Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vollzogen worden. Diesem saß er von 1983 bis 1998 vor. Weinzierl habe ein modernes VerstĂ€ndnis von Nicht-Regierungsorganisationen in Deutschland geprĂ€gt und vorgelebt.

Seit 60 Jahren engagiere sich der gelernte Land- und Forstwirt national und international fĂŒr Ökologie- und Naturschutz.

Großes Engagement fĂŒr die DBU: Sicherung des Nationalen Naturerbes

Zehn Jahre lang war Weinzierl von 2002 bis 2012 PrĂ€sident des Deutschen Naturschutzrings (DNR) und von 2001 bis 2013 Mitglied im Rat fĂŒr Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. FĂŒr ein Jahrzehnt hatte Weinzierl von 2003 bis 2013 den Vorsitz des Kuratoriums der DBU inne, den er mit großem Zeitaufwand ausgefĂŒhrt habe. „Sein Engagement fĂŒr die DBU kam aus Überzeugung, tiefstem Herzen und großem Verantwortungsbewusstsein. Als Kuratoriumsvorsitzendem waren ihm die Sicherung des Nationalen Naturerbes, die Bildung fĂŒr nachhaltige Entwicklung und die Debatte ĂŒber Lebensstile ein großes Anliegen“, betonte Bottermann. So habe Weinzierl 2007 die GrĂŒndung der Naturerbe GmbH, eine gemeinnĂŒtzige Tochtergesellschaft der DBU, mit forciert. Mit der Übernahme und Sicherung von rund 60.000 Hektar großen, weitgehend unzerschnittenen LebensrĂ€umen ist die DBU seither auch selbst im heimischen Natur- und Artenschutz aktiv.

Auf der internationalen UmweltschutzbĂŒhne aktiv gewesen

Auch international habe Weinzierl auf der großen BĂŒhne des Umweltschutzes schon frĂŒh eine zentrale Rolle gespielt: 1972 auf der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen (United Nations, UN) in Stockholm, 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro und 2002 als Mitglied der deutschen Delegation auf dem Erdgipfel in Johannesburg. Auf Weltreisen in alle Kontinente habe sich Weinzierl in den 60er- und 70er-Jahren vor Ort ĂŒber die Naturschutzprobleme informiert. In ĂŒber 50 Publikationen und zahlreichen FachaufsĂ€tzen habe Weinzierl seine Erfahrungen, EindrĂŒcke und sein Expertenwissen zum Thema Naturschutz und Umweltpolitik festgehalten.

Lebensleistung: Naturschutz als Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklung

Bottermann: „Der ‚Ehrenpreis Lebensleistung‘ soll ein sichtbares Zeichen fĂŒr die Leistung und den Einfluss von Hubert Weinzierl auf wichtige ökologische Entwicklungen, Ereignisse und Erfolge sein.“ FĂŒr ihn sei der Naturschutz bereits seit rund 60 Jahren ein integrativer Bestandteil einer nachhaltigen Entwicklung. Deshalb habe Weinzierl dem Engagement der Umwelt- und Naturschutzstiftungen immer eine wichtige und zukunftsorientierte Funktion zugeschrieben. Gemeinsam mit seiner Frau, der Theologin Beate Seitz-Weinzierl, baute er in Wiesenfelden in Niederbayern ein Umweltbildungszentrum auf, umgeben von Naturschutzgebieten und vielfĂ€ltigen Landschaften als Lern- und Erlebnisorte. Um das Bildungszentrum dauerhaft zu erhalten, grĂŒndete er 2006 mit seiner Frau die „Beate und Hubert Weinzierl Stiftung“ zur Förderung von Umweltbildung, Bildung fĂŒr Nachhaltige Entwicklung, Umwelt- und Naturschutz.

"Ehrenpreis Lebensleistung" zum vierten Mal verliehen - 10.000 Euro Preisgeld

Die DBU verleiht dieses Jahr zum vierten Mal den mit 10.000 Euro dotierten „Ehrenpreis Lebensleistung“ im Rahmen des Deutschen Umweltpreises, des mit insgesamt 500.000 Euro höchst dotierten Umweltpreises Europas. Bisher wurden Michail Gorbatschow, Professor Dr. Hannelore „Loki“ Schmidt (†) und Professor Heinz Sielmann (†) mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

"Weinzierl ist nicht eine, er ist die tragende Persönlichkeit des Naturschutzes in Deutschland."

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